Am nächsten Tag ging es weiter – nicht über die ganz großen Alpenpässe, sondern über das Vercors-Massiv, das sich direkt an die Chartreuse anschließt. Das Vercors ist nicht nur ein Naturpark mit spektakulären Steilwänden und tiefen Schluchten, sondern auch ein geschichtsträchtiger Ort. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Plateau zur Hochburg der französischen Résistance; die abgeschiedene Lage bot den Widerstandskämpfern ein ideales Versteck. Heute zeugen zahlreiche Gedenkstätten von dieser Zeit und verleihen dem Besuch eine nachdenkliche, tiefgreifende Note.
Am Fuße des Vercors stießen wir fast zufällig auf einen Ort, der uns sofort verzauberte: Die. Das Städtchen (ausgesprochen „Di“) ist kein typischer Touristenmagnet, sondern ein lebendiges, künstlerisches Juwel. Wer durch die verwinkelten Gassen streift, fühlt sich wie in einer Open-Air-Galerie. Überall gibt es kleine Kunstwerke, Second-Hand-Läden und Kunsthandwerk zu entdecken. Auch hier spürt man den Geist der Freiheit. Besonders an Markttagen erwacht die Stadt zum Leben: Der Duft von frischem Lavendel, lokalem Käse und Baguette liegt in der Luft. Die Cafés laden dazu ein, einen *Café au Lait* zu genießen und das Treiben zu beobachten. Hier hat das Leben eine entschleunigte Qualität. Besonders gut gefielen uns die authentische Bar direkt an der Brücke sowie das Theatercafé mit seiner Klaviermusik am Sonntagmorgen.
Auf dem Rückweg überquerten wir den Col de la Croix de Fer, der uns fantastische Aussichten auf die frühsommerlich blühenden Bergwiesen bot. Den Abschluss unserer Reise bildete eine letzte Nacht auf einem kleinen Farmcampingplatz am Lac d’Annecy.